Bände


Einleitung

Wenn wir uns in den vorliegenden Natur-Bänden um den Erhalt der biologischen Vielfalt (Biodiversität) vor unserer Haustür und im Wohnumfeld bemühen, so lösen wir unsere Sichtweise von einem isolierten lokalen Denken und Handeln. Der Naturgarten und unser Wohnumfeld sind Teile des planetaren Gartens. Die Trennung von „global“ und „lokal“ ist längst überholt, denn was global geschieht, geschieht immer auch irgendwo auf diesem Planeten lokal.

Beginnen wir also mit einer spannenden und (über-) lebensnotwenigen Reise hin zum Erhalt und Erleben des Lebens vor unserer Haustür. Lassen wir uns durch die Natur- und Naturgarten-Webbücher Seite um Seite, Kapitel für Kapitel faszinieren und anstecken von einer neuen Art des Denkens, Verstehens, Wertens und Verantwortens. Die bunte Welt der Arten haben wir verloren, oft ohne es gemerkt zu haben. Die Folgen sind gravierend. Doch die Rückkehr des Lebens vor unserer Haustür, im Wohnumfeld, in der Stadt und in unseren Kultur- und Agrarlandschaften ist möglich – vielmehr noch: notwendig!

Akteure, Begeisterte, Verantwortungsbewusste, Weitblickende und „Lebenshungrige“ können dem Leben wieder eine neue Chance geben.

Planetarer Garten? – Der Planet als Garten? Ist das Wesen des „Gartens“ nicht eigentlich, dass er „mensch-gemacht“ ist? Stimmt! Doch wir müssen bekennen: Längst haben wir haben unseren Planeten zum Garten degradiert. Nichts ist mehr, wie es ursprünglich war. Jeder ccm Luft, jeder ccm Wasser, jeder qm Land, jede Pflanze, jedes Tier, sogar die bio-physikalischen Prozesse und die Welt der Mikroorganismen …… sie alle sind beeinflusst und gestaltet von Homo Sapiens, dem modernen Menschen. – Oft ist dieser neue entstandene planetare Garten ein Spiegelbild unseres Gartens vor der Haustür: Das Leben verliert mit beängstigender Geschwindigkeit! Denn in beide Gärten greift die gleiche Art – Homo sapiens – gestaltend, verändernd, oft zerstörend ein.

Wir denken zu kurz, wenn wir empört auf die Zerstörung der artenreichen brasilianischen Regenwaldbiotope zeigen, die durch den Austausch der Regenwald-Flora durch hochgedüngte, pestizidbelastete aber scheinbar profitable Palmöl-Großplantagen aus Ölpalmen (Elaeis guineensis- Ursprungsland Afrika), ihr komplettes Artenspektrum und damit ihre planetaren Steuerfunktionen verlieren. Solche Prozesse haben wir im Europa des 21. Jahrhunderts längst hinter uns. Andere machen nach, was wir vorpraktizieren: die Zerstörung artenreicher europäischer Kulturlandschaften durch ausgedehnte Mono-Plantagen z.B. aus Mais (Zea mays, Ursprungsland Mexiko) und anderen Nahrungs- und Energiepflanzen. Auch wir steigern den Prozess der Artenvernichtungen auf unseren Agrarflächen durch die Zerstörung ökologisch wertvoller Landschaftselemente wie Artenschutzhecken, Waldregionen, Solitärbäume, Streuobstwiesen, Brachen, extensives Weideland und artenreiche Acker-, Fluss- und Wegrandbiotope. Zusätzliche Hochdüngungen und permanente großflächige, multi-chemikale Pestizideinträge (oft als Pflanzen“schutz“mittel verharmlost) schaffen schließlich auch bei uns nahezu tote Agrarräume.

Und im Garten vor unserer Haustür? Gleiches gilt längst auch hier! Nur tauschen wir nicht den brasilianischen Regenwald gegen afrikanische Ölpalmen aus, sondern das Europäische Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus, Heimat Mitteleuropa), gegen die Stern-Magnolie (Magnolia stellata, Heimat Japan) und den Haselstrauch (Corylus avellana, Heimat Mitteleuropa) gegen den Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus, Ursprungsland Anatolien). – Profitabel? Natürlich! Es gewinnt eine gigantische Gartenindustrie, die unsere Natursehnsucht bedient und uns ausgetauschtes Weltengrün als Natur verkauft. – Sowohl im privaten als auch im planetaren Garten wirkt der kontinentale Austausch der Arten, der seit dem „Columbian Exchange“ (ab 1492) ungebremst fortschreitet, als zentrale Ursache der globalen Artenvernichtungen.

In den Gartenwelten geht der Deal jedoch noch weiter! Die Propaganda wirkt! Wir umgeben uns mit monotonen, artenarmen Räumen aus „modernen“ Steindesign-Gärten mit vergrabenen „Unkraut“folien, mit grünen Feng Shui Gärten, Architektur- und Themengärten, Kataloggärten, traditionellen großräumigen Parkstrukturen, Öko-Teichen mit Solarumwälzpumpen und edlen Modefischen, buntem Gartendesign, Kunststoff-, Kunststein- und Metalldekoren und folgen dem Slogan: Gut ist, was modern ist! Und weil der Garten wie ein Intensivpatient dauergepflegt werden muss, benötigen wir ganzjährig Medizin wie pflanzenspezifische Kunstdünger, passgenaue „Unkraut“- und „Schädlings“vernichter und Dauerpflegemittel, die uns als „Holzschutz“ und „Algenvernichter“ angepriesen werden. Ergebnis: Das Leben verliert. Es geht auch vor unserer Haustür um Umsätze, nicht um Leben leben lassen!

Die Folgen: Sowohl in unserem privaten als auch im planetaren Garten löschen wir die ökologischen Funktionen aus. Das Leben erstirbt vor unseren Augen. Die Arten verschwinden. Wir produzieren lokale und planetare Friedhöfe der Evolution.

Unsere Perspektive hat sich unmerklich verschoben. Vor wenigen Jahren konnten wir noch sagen „My home is my castle!“ – meine Haus, mein Garten, das bin ich, das ist meine kleine Welt, da redet mir keiner rein. Und manche Schurkereien am Leben, die wir dort vollbrachten, konnte der große planetare Garten wieder ausbügeln. In unserer kleinen Welt lebten wir auf einem großen Planeten!

Doch dramatische Änderungen sind eingetreten: die unzähligen Schurkereien in unzähligen kleinen Welten haben sich zu einem globalen Desaster der Artenvernichtungen summiert. Unserer großen Welt mit bald 9 Milliarden Menschen und ihren internationalen Waren- und Personenströmen steht ein kleiner Planet scheinbar hilflos gegenüber. Seine Korrekturfähigkeit ist begrenzt. Aber hilflos?

Wir irren! Der Planet wird reagieren und sich wehren! Wir sind auf das Dienstleistungssystem des planetaren Gartens angewiesen. Niemand weiß, was geschieht, wenn er seine ökologischen Stabilitäten und Balancen verliert. – Doch sicher ist: Die Folgen werden gravierend sein.

Es wäre ein epochaler Leichtsinn von Homo sapiens, es darauf ankommen zu lassen!